Tödliches Quartett / Dem metabolischen Syndrom begegnen

Es bedroht Leib und Leben von immer mehr Menschen. Doch diese Bedrohung kommt nicht aus dem All, sondern ist real und hausgemacht: das Ergebnis eines ungesunden Lebensstils. Der lässt sich mit etwas gutem Willen und der richtigen Hilfe ändern. Gabriela Freitag-Ziegler erklärt die Symptome des metabolischen Syndroms.
Der Mensch ist ein klug ausgetüfteltes Machwerk der Natur. Da greift ein Rädchen ins andere, wird an einer Schraube gedreht, wirkt sich das im gesamten Getriebe aus. Kommt Sand ins Getriebe, sollte die ganze Maschine unter die Lupe genommen werden. Es reicht nicht, nur einzelne Teile auszutauschen. Sand ins menschliche Getriebe streuen in den meisten Fällen die drei großen Stoffwechselerkrankungen Glukoseintoleranz bzw. Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 2), Fettstoffwechselstörungen (Hyperlipidämie) und Bluthochdruck (Hypertonie). Auch sie betreffen den ganzen Menschen, verstärken und beeinflussen sich gegenseitig. Oft entgleitet uns unser Körper jedoch unbemerkt und schleichend über Jahre. Der Mensch meint sich bei bester Gesundheit. 

Hauptübeltäter Bauchfett

Der vierte im Bunde – ein handfestes Übergewicht – entsteht jedoch keineswegs im Verborgenen, sondern für jedermann sichtbar zum Beispiel in Form wachsender Speckröllchen an Bauch oder Hüften. Doch auch wer mit seinen überflüssigen Pfunden glücklich ist und sich als gesunder Dicker fühlt, irrt meist. Denn vor allem wenn sich die Kilos in der Bauchgegend ansammeln, sind sie kein Schönheitsfehler, sondern ein ernst­haftes Gesundheitsrisiko. 

Das metabolische Syndrom

Werden bei einem Menschen gleichzeitig ein derartig bauchbetontes Übergewicht, Störungen des Zucker- und Fettstoffwechsels sowie ein erhöhter Blutdruck festgestellt, leidet er am “metabolischen Syndrom”. Wie brisant dieser Zustand ist, bringt die Rede vom “tödlichen Quartett” auf den Punkt. Denn diese Menschen haben ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bekommen. “Mindestens 20 Prozent aller Erwachsenen sind in Deutschland betroffen”, sagt der Münchner Ernährungsmediziner Professor Hans Hauner. Zu diesem Ergebnis kam eine von ihm und Fachkollegen durchgeführte Praxisstudie an fast 36.000 Menschen zwischen 18 und 99 Jahren. Mit zunehmendem Alter war der Anteil sogar noch höher.

Hauptübeltäter im Symptomen-Quartett scheint das Bauchfett zu sein. Offensichtlich schädigen diese Fettzellen den gesamten Stoffwechsel und schieben die anderen drei Symptome regelrecht an. Die genauen Zusammenhänge sind jedoch selbst den Wissenschaftlern noch nicht bis ins letzte Detail klar. Klar ist dagegen, dass heute nicht mehr nur isoliert auf einzelne Parameter geschaut werden sollte. Stattdessen sollte im Idealfall immer dann, wenn ein Teil des Syndroms zu Tage tritt, nach den anderen gefahndet werden, wünscht sich Professor Hauner.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (1 votes, average: 5.00 out of 5)
Loading...

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *